Knurrende Hunde beißen (noch) nicht

Eine gern gestellte Frage unter Hundehaltern ist: "Was mache ich, wenn mein Hund knurrt?".

Die Meinungen darüber, wie man mit einem knurrenden Hund umgehen sollte, gehen weit auseinander. Da gibt es diejenigen, die jegliches Knurren als Aufmüpfigkeit oder sogar als Angriff auf die eigene Autorität werten und den Hund sofort bestrafen. Andere sind erstmal verunsichert, vielleicht sogar verletzt, fassen ein Knurren als Ablehnung auf und machen sich evtl. Sorgen um die Beziehung zu ihrem Hund. Und manche arrangieren sich einfach damit, mögen vielleicht sogar das vermeintliche Selbstbewusstsein des Hundes.

Gucken wir doch zunächst einmal, was Knurren bedeutet. Knurren ist ein ganz normaler Bestandteil hündischer Kommunikation und es ist der einfachste und für alle Beteiligten risikoärmste Weg, dem Gegenüber mitzuteilen, dass der Hund in der aktuellen Situation einen Konflikt oder ein Problem hat. Das Knurren gibt dem Gegenüber die Chance, den Konflikt oder das Problem zu lösen.

Auf keinen Fall sollte man meiner Meinung nach einen Hund für's Knurren bestrafen. Konstruieren wir mal eine Situation. Ich sitze am Tisch und esse, mein Gegenüber greift ständig auf meinen Teller oder klaut mir mein Besteck. Immer, wenn ich sage er/sie soll das lassen, werde ich von einer anderen Person wahlweise verbal zur Schnecke gemacht, in die Seite geboxt oder auf den Rücken geworfen. Irgendwann bin ich so eingeschüchtert, dass ich entweder aufhöre zu essen und versuche, mich der Situation zu entziehen (erlernte Hilflosigkeit) oder so genervt, dass ich völlig ausraste und auf mein Gegenüber losgehe. Die Situation ist zu konstruiert? Wie viele Hunde müssen fressen, während der menschliche Nachwuchs drumherum turnt, das Futter neu sortiert oder den Kauknochen mal genauer betrachten will? Und wehe, der Hund knurrt dann!

Wenn wir also davon ausgehen, dass Knurren ein Ausdruck für einen Konflikt ist, wäre doch allen Beteiligten viel mehr damit geholfen, den Konflikt zu lösen. Das bedeutet ja nicht, dass der Konflikt unbedingt zu Gunsten oder im Sinne des Hundes gelöst werden muss, obwohl manche Leute auch kein Problem damit haben, einfach ein zweites Sofa zu kaufen, weil Fiffi das erste gern für sich beansprucht.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf die vielfältigen Möglichkeiten eingehen, warum ein Hund knurrt und wie die jeweilige Lösung aussehen könnte. Dafür gibt es Hundetrainer und -therapeuten, die hoffentlich die Erfahrung haben, dass Problem zu erkennen und die Ausbildung, um dem Halter geeignete Lösungen vorzuschlagen. Manchmal müssen Beziehungen neu sortiert werden, manchmal braucht es ein bisschen mehr Verständnis für die Bedürfnisse des Hundes, manchmal muss der Hund desensibilisiert werden, manchmal muss er auch einfach nur erzogen werden. Für jedes Problem lässt sich in der Regel eine Lösung finden.

Sollte die Lösung allerdings darin bestehen, dass man dem Hund nur mal ordentlich zeigen muss, wer der Herr im Haus ist, dann würde ich als Halter nicht lange zögern und dem Hundetrainer zeigen, wo der Maurer das Loch ... äh die Tür gelassen hat. Gewalt ist ein gut geeignetes Mittel, um aus einem knurrenden Hund einen beißenden zu machen.

Autor: Michaela Wielan (bitte unsere AGB beachten)

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